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Montag, 12. Dezember 2011

Sonntag, 11.12. 2011

Mein Wochenende: Mein Wochenende war schön. Langsam aber schön. Auch wenn der Wetterfrosch wieder einmal gelogen hat, es war schön.

Am Samstagmorgen bin ich ohne mit der Wimper zu zucken aufgestanden, habe meine Wohnung blitzeblank hergerichtet, ging einkaufen und fuhr um halb 6 Uhr am Abend los. Ich wollte weg.

Ziel: Lugano. Weg ins Ziel: Direkt. Fragen: Keine. Los.

Der Weg nach Lugano war wahnsinnig unterhaltsam. Ich fühlte mich in einer Live-Seifenoper. Ich war ein Nebendarsteller, welcher für das realistische Bild einfach ein Mitreisender spielte. Hinter mir war ein etwa 50-jähriger Mann, kaum auffallenden, Zeitung lesend und still sass er da, wie ein Jürg eben. Ich war am umher träumen bis mich der Rufton seines Handys mich aus den Träumen riss. Es war ein normaler Rington, das fiese daran; er war sehr hoch und bei jedem weiteren Klingeln wurde der Ton läuter. Nun gut, als Strafe dafür, dass sich der Jürg wie ein 14-jähriger Teenager verhielt,- was den Rufton anbelangt,- hörte ich aufmerksam seinem Telefongespräch zu.

Jürg: „Hallo!?“

Telefonstimme (TS): „djsa ofjo...df hajdf.ejrine hdfpa ajsdp..“

Jürg: „Ich verlange vo der Respekt, Achtig, Astand und vorallem en ufrechtigi Entschuldigung..“

Jürg: „fjdskalö. Sadjf uoai, sgjirgjsagh,a gaoigoj“

Jürg: „Lueg ich han jetzt grat ächt nüme Luscht mit dir zrede, jetzt isch sMass aller Dinge eifacht voll, emmer wird’s irgendwenn so dreiht, dass ich nu Tschuld bin. Es isch gnueg!!“

(Der unauffällige Mann war während des ganzen Gesprächs, sehr ruhig und wurde nicht ausfallend, seine Stimme war aber bestimmt und gezielt.)

TS: „wpagfshg...brummel...brummel...ahsfupz ghagz adhfp s.“

Jürg: „Ich sägs nomal; ich verlange, vo der Respekt, ich verlange vo der Astand und ich verlange vo der en ufrechtigi Entschuldigung bevor,- wenn überhaupt,- ich nomal chum. Ich han gnueg. Ich la nüm uf mir so umetrample!!“

So ging das Gespräch noch munter 5 Minuten weiter, bis er sich kurz und entschlossen verabschiedete. Ich denke eine Frau war am anderen Ende am Telefon. Entweder eine verzogene erwachsene Tochter oder eine Frau. Ich seh sie vor mir: 1.60m gross, auftoupiert, blonde Haare inkl. brauner Haaransatz,- eben 100% natur-Blondine, pinke Lippen, überschminkte Augen,- die Falten danken und werden mehr, blaue Leggins, hautenges Oberteil,- trotz ein paar vielen Speckröllchen zu viel, einen gutgemeinten Ausschnitt mit einem zu engen BH, Kaugummi kauend und eine halbe Flasche eau de cologne am Körper. Genau so. Etwa 10 Minuten später klingelte das Handy mit dem tollen Ton wieder. Jürg stand auf, lief an mir vorbei und ging aus dem Abteil raus. Da ich gegenüber der Tür sass, konnte ich teilweise alles sehr gut mithören, vorallem dann, wenn seine Stimme das „normale“ Lautstärkenvolumen überschritt. Der arme Jürg war richtig wütend. Was ich alles hören konnte, war eigentlich das Selbe wie oben, nur mit ein paar Fluchwörter zwischen drin und etwas leiser...eh ich meine lauter.. . Etwa 3 Mal sagte er, er beende jetzt das Gespräch, liess die Person am anderen Ende dann aber weiterreden. Da ist er selber Schuld. Wenn er wirklich die Schnauze voll hat: Auflegen und Telefon ausschalten! Nach ein paar Anläufen, beendete er das Gespräch dann aber doch. Ich mag das nicht, wenn ich Leute streiten höre. Da zerreist es mir das, Herz und manchmal habe ich bei Streithähnen einfach keine Geduld mehr zum zuhören, es gibt Menschen welche absolut nicht schön streiten können. Da würde ich gerne das Zepter übernehmen. Jürg hatte bis auf die leeren Drohungen am Schluss aber seine Sache wirklich gut gemacht und ich hatte erbarmen mit ihm. Er kam zurück in den Wagon, setzte sich ein Abteil hinter mir wieder auf seinen Platz. Kurz darauf klingelte das Telefon noch mal, er drückte den Anrufer weg und schaltete doch tatsächlich das Natel aus. Zu schön wär’s gewesen nochmals eine Ladung „Jürgs Streitigkeiten“ zu hören und geniessen. In diesem Moment, war ich überglücklich alleine weggefahren zu sein, einfach Ruhe.

Eine halbe Stunde später, ich war am einschlafen, hätte ich fast einen Schuh Richtung Jürg geworfen. Der Holzklotz stellte sein Natel wieder ein und natürlich klingelte es. Danke Mister Jürg, ich hatte gerade eben einen riesen grossen Schokoladenberg zum abmampfen, du hast ihn mir versaut. Dieses Mal war jemand anderer am Telefon. Ich denke ein gemeinsame(r) Freund/in der beiden. am Telefon und sie diskutierten darüber, was so eben geschehen war. Jürgy-Boy erzählte das Selbe dieser Person nochmals, plus dass er zur Zeit nicht mehr Lust habe, darüber zu sprechen und nun Richtung Bellinzona unterwegs wäre um zu lesen. Er hatte zwar keine Lust zu reden, das Telefon dauerte dann aber doch 20 Minuten. No comment.

Als Jürg ausstieg, war ich zu tiefst traurig. So eine reale Seifenoper habe ich schon lange nicht mehr live gesehen. Sogar das Ende ist vorprogrammiert! Leute!- Bald ist Weihnachten! Er grollt bis dahin noch vor sich hin, dann gibt’s am Heilig Abend Friede, Freude, Eierkuchen, an Silvester gibt es einen Versprechungskuss niemals mehr zu streiten und für ewig zusammen zu sein und dann ist auch schon das neue Jahr da, um alle guten Vorsätze so schnell wie möglich zu vergessen und zu brechen! Auch mit 50 Jahren hat man schliesslich noch nicht ausgelernt! Alles Gute lieber Jürg!

In diesem Winter habe ich das erste Mal Schnee gesehen und zwar in Airolo. Ich war friedamässig froh , fuhr der Zug so schnell vorbei. Es fror mich vom blossen hinschauen.

In Lugano angekommen, fragte ich mich wieder einmal offensichtlich, was diese Pünktlichkeit genau bewirken soll!?! Ich glaube kaum, dass jemand böse wäre, wenn der Zug ein paar Minuten Verspätung hätte, er ist ja schliesslich von Basel her gestartet und nach 4 Stunden in Lugano eingetroffen,- ohne 1 Minute Verspätung. Ich hoffe der Mensch welcher die Pünktlichkeit erfunden hat, konnte nie schlafen und verstarb früh und qualvoll. Er starb wahrscheinlich aus hyper-psycho-somatischen Gründen. Er konnte nicht mehr schlafen, denn die Angst war zu gross, dass der Wecker verspätet klingeln könnte. Es muss ein Schweizer gewesen sein, welcher so ein Quatsch erfunden hat.

In Lugano angekommen, dankte ich meinem Navi auf meinem Natel und folgte ihm ohne Zweifel. Bei einem Bahnübergang stand ich vor verschlossenen untenstehenden (untenliegenden??!) Barrieren,- ich sah auf die Uhr...... 5 Minuten bis die Barriere wieder hochgingen.

Morgen im Blick die stärkste Zeitung der Schweiz: SBB-Überpünktlichkeitsseuche schlägt nun auf Barrieren ein. Erste Fälle im Tessin bekannt.

Mein Hotel war 5 Minuten vom Bahnhof entfernt, mit direkte Seesicht und ich war ab dem ersten Moment total verliebt in das Hotel. Hohe Wände mit Stuck bedeckt, wunderschöne Kronleuchter,- Grosse und Kleine, ein heimeliges, altmodisches wie auch modernes Gebäude. Es harmonierte sehr. Die Angestellten waren äusserst freundlich. Mein Zimmer war tiptop,- bis auf die Badewanne, die gab es nämlich nicht. Ich bade nie. Das geht mir absolut zu lange, aber im Hotel mache ich eine Ausnahme. Dort kann ich abschalten, jedoch nur wenn ich alleine unterwegs bin. Ich genoss daher eine laaaange Dusche und machte mich dann ans Werk. An diesem Abend schrieb ich einige Briefe, Karten, schaute einen alten James Bond Film-Diamantenfieber und genoss es ein riesen Bett zu haben, denn das Hotel stellte mir ein 2 Bettzimmer zur Verfügung.

Um 2 Uhr schlief ich in etwa ein und um halb 9 Uhr klingelte der Wecker. Der einzige Moment in meinem Leben, wo mir mein Wecker nicht auf den Wecker geht. Ich machte mich bereit und freute mich wahnsinnig auf das Essen. Ich liebe Frühstück im Hotel. Eine Ladung Ei und Specke, Toast & Brot, Müesli, Schwarztee, O-Saft und KuchenJ. Ich mampfte vor mich hin und belächelte die wartende Kolonne vor der Barriere, sah die pünktlichen Züge und sah zum See. Zufrieden auf meinem Zimmer zurück packte ich alles wieder in meinen Reisekoffer, setzte mich wie immer nochmals auf’s Bett und sah noch eine Folge Monk. Wenn ich am Wochenende unterwegs bin, ist das irgendwie Standart geworden. Um halb 12 Uhr habe ich ausgecheckt und besuchte den Weihnachtsmarkt. Es war schon schön, aber die Weihnachtsstimmung war bei mir schon im September, zur Zeit bin ich gerade beim Abbau des Weihnachtsbaumes in meinem Kopf . Was sehr positiv war; trotz beliebter Stadt, war es überschaubar, so dass auch ich niemandem auf die Füsse stand.

In der Stadt umherspaziert, begab ich mich später dann in ein kleines Restaurant,- am See nahe. Ich ass meine Spaghetti Bolognese, schrieb an einem Brief weiter, zahlte auf Italienisch *Schulterklopf*, genoss die Zeit nochmals am See und versuchte ohne Navi wieder zum Hotel zurückzufinden,- ich durfte meinen Koffer dort stehen lassen, den ich nun abholen wollte. Mit ein paar Umwegen und einmal einen Blick auf’s Navi fand ich es dann wieder. Um 16:10h stieg ich in den Nachhausezug ein. Dieser Zug war so was von lange.. ich stieg ganz vorne ein, so hatte ich meine Ruhe. Im Gegenüberliegenden Abteil war ein Grossvater mit seinem guterzogenen Enkel unterwegs, so war kein Geschrei, sondern absolut entspannte Atmosphäre. In Arth-Goldau musste ich Umsteigen, das Nette dabei; unser Zug hatte um die 5 Minuten Verspätung, wir trafen auf dem Gleis 2 ein und ich stieg am vordersten Punkt des Bahngleises aus, so musste ich alles nach hinten laufen und der Anschlusszug lag auf dem Gleis 8. Das Beste: Er sollte seit 3 Minuten gefahren sein. Haha er musste warten und so trafen wir mit einer Verspätung von 8 Minuten in Luzern ein. Wie beschämend. Ein wunderschönes Wochenende ohne persönliche Seifenoper und keine künstlichen Gespräche. Für musikalische Unterhaltung sorgte Franky Sinatra,- er führte mich durch Lugano auch wenn es absolut unpassend und kitschig war, für mich war es genau so perfekt.

Es gibt wie schon viele Male erwähnt schöneres als der Nachhauseweg, aber dieses Mal habe ich mich mit einem lächelnden Auge auf den Weg gemacht,- das Wissen, dass der Zug mit einer Verspätung von rund 5 Minuten in der Endstation Basel eintreffen wird, war eine würdige Genugtuung. Ich sah auf jeden Fall keinen Mensch, welcher böse gewesen wäre.

Mein Fuss konnte sich in dieser Ferienwoche erholen und richtig speditiv mit der Physio vorankommen. Mein Therapeut ist super. Ich spürte auch in Lugano, dass es besser geht. Naja ich konnte mich einfach hinsetzen, wenn mein Fuss schmerzte. Ich hoffe es wird nicht wieder schlechter im Verlauf der nächsten Arbeitswoche, bei der Arbeit kann ich mich nicht einfach hinsetzten, wenn ich Schmerz verspüre.. . Am Donnerstag bekomme ich Einlagen. Auf die freue ich mich. Die werden eine gute Unterstützung sein, da bin ich sicher.

Auf ein Neues.

Elsbeth.

2 Kommentare:

  1. In der Ehe ist es wichtig, harmonisch miteinander zu streiten.

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  2. Ich freue mich auf die Fortsetzung dieser spannenden Geschichte, hoffentlich noch in diesem Jahr.

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