Ab dem nächsten Ton kostet Sie dieser Blog pro Buchstabe etwa 12.24 Fr.- je nach Kanton kann es variieren. Wenn Sie damit einverstanden sind, bleiben Sie bitte dran.

Donnerstag, 14. April 2011

Dienstag, 12. April 2011

Ich war um halb 7 wach und machte mich startbereit. Am Vorabend habe ich schon mal alles zusammen gepackt, was ich heute Morgen nicht mehr brauchen würde. Um 7 Uhr klopfte es an meiner Tür und Paolo stand davor und spielte ohne bitte Weckdienst. Da er freundlich und grinsend da stand, war ich auch nett, trotz so frühen Morgenstunden. Am Vorabend versuchten wir noch etwas miteinander zu sprechen. Die Verständigung klappte sogar irgendwie! Für das Frühstück durfte ich nach unten in die Bar welche offen war, da es oben noch etwas früh für Frühstück gewesen wäre. Ich bekam mein leckeres Süssgebäck und meine heisse Schokolade. Ach übrigens das habe ich gar noch nicht erzählt! Hier kurz 2 Rezepte für eine heisse Schokolade, einmal schweizerisch und einmal italienisch:

Schweiz:

2dl Milch aufkochen

Vor, während oder in die Tasse geben: 2 kleine Kaffeelöffel Schokoladenpulver

Umrühren e finito. Claro?

Italien:

2dl Milch aufkochen

Mindestens 2 gut gefüllte Kaffeelöffel voll Zucker in die heiss-werdende Milch

Mindestens 3.5 Kaffelöffel Schokoladenpulver dazugeben

Und? Und Elsbethina ist im Himmel angekommen. Genau so mach ich das auch! Nun muss ich mich nicht mehr schämen, sondern kann sagen: „Hee!, eusi Nochbore möchit das genau so, also Rueh!“ J Grazie mille.

Das Morgenessen ist hier nicht gerade wichtig. Zwar hat man die Süssgebäckspezialitäten, die werden aber auch unter dem Tag gegessen. So kann man innert 10 Minuten Frühstück gegessen haben und liegt oberhalb der Zeit. Dies geht nämlich noch schneller. Da ich Morgenessen liebe, finde ich das etwas schade.

Gut hatte ich so viel Nervennahrung zu mir genommen, denn wenn ich gewusst hätte was nun auf mich zu kommen würde, hätte ich 3 weitere „heissi Schoggi“ bestellt!

Paolo gab mir sein Natel in die Hand gedrückt und Edi war dran. Sie sei sehr müde diesen Morgen und werde erst später zum Hotel kommen, daher wollte sie sich noch kurz verabschieden. Da war ich aber traurig. Ich hätte sie gerne noch kurz herzlich gedrückt. Weiter meinte sie wenn es für mich ok wäre, würde mich Paolo zum Hauptbahnhof fahren. Er habe den Roller da, das Auto hätte sie diesen Morgen, aber das sei ja kein Problem. Nun ja was sagte ich? Si si, e non c`è problema. Warum denn nicht? Ich habe in den letzten paar Tagen jede Menge Rollerfahrer mit Gepäck gesehen, also würde dies genauso nicht-kriminell und normalo sein! Also was solls: Wenn es schlimm kommt, wird gehupt was das Zeug hält und wenn ich an den Boden fliegen sollte kann ich mir ein Italiener von 58 zugeeilten aussuchen, also los. Paolo nahm meinen Rollkoffer zwischen Arme und Lenkrad, so dass er knapp noch lenken konnte, er nahm das so geschickt hin, dass ich annehmen musste, dass er dies nicht zum ersten Mal machte. Wir fuhren (ich ohne Helm)los und kamen nach;

3 Rotlichter

6 mal hupen

2 Chaossituationen bei Kreuzungen weil jeder erster sein wollte

und 2 fast Vollbremsen wegen Fussgänger welche die Frechheit besassen über die markierten weissen Zebrastreifen zu laufen

am Bahnhof an.

Ehrlich gesagt liess mich diese Fahrt ziemlich kalt im Vergleich zu all den andern. Ich war geeicht vom Taxifahrer. Der war der Schlimmste. Mamma mia.

Die italienische Bahn ist sehr verwirrend und nicht gerade verlässlich. Sie zeigen meist die Züge welche kommen an, aber auf der Tafel ist fast nie das Gleis angeschrieben. Dies passiert erst so ca. 5 Minuten vor Zugsabfahrt. Sehr mühsam für internationale Züge. Da die Züge sehr lang sind und man Gepäck dabei hat ist man dann am rennen. Nach 3 Fragerunden kam ich dann in meinem Zug an und war tierisch genervt ab meinen Mitreisenden in meinem Abteil. 3 junge Asiatinnen, evtl. von China. Ich finde diese Sprache, eigentlich sehr speziell und höre gerne zu, aber bei einem lauteren, angeheiterten Gespräch empfinde ich sie dann sehr mühsam, weil die Tonart und der Takt keine Linie führt und man kaum weghören kann. Sie redeten so schnell und lachten und quietschten die ganze Zeit, dass das alles sehr unangenehm war. Kurze Zeit später merkte ich, dass der Platz der Richtige war, aber der Zugswaagen nicht und so machte ich mich mit einem erleichterten Grinsen wieder auf den Weg. Angekommen war da wieder so ein schlafender, hängender Gummi, wie bei meiner Abreise Richtung Luzern. Er streckte seine Beine so weit, dass ich mich kaum hinsetzen konnte. Dieses Mal war ich aber nicht so nett, sondern ging rabiat vor. Beim Hinsetzen, stosste ich seine Beine einfach auf die Seite und so fand ich meinen Platz. Er erschrak und entschuldigte sich und ich hatte schon wieder ein schlechtes Gewissen. Der Mann bei meiner Abreise nach Luzern, verglich ich mit diesem Mann von jetzt. Das war nicht nett von mir. Denn der jetzt schnarchte nicht und war sehr höflich. Nun gut, Platz war so gefunden.

In Rom angekommen stiegen die meisten aus, so dass ich meinen zustehenden Fensterplatz nun endlich sichern konnte. Dazu stieg eine grosse, strenge, typisch italienische, 35-jährige

Frau und ca. ein 60-jähriges chinesisches Ehepärchen dazu. Alle sehr friedlich, was ich sehr angenehm empfand.

Im Abteil gegenüber waren auch alle Plätze belegt. Eine Frau war in einer Diskussion am Telefon. Jeder im Waagen konnte ihr Gespräch mitverfolgen, da sie nicht gerade leise war. Die 35-jährige Frau in meinem Abteil nervte dies mit der Zeit so gewaltig, dass sie die Frau (etwas lauter als schon üblich) ansprach und meinte, dass sie nun schon seit 20 Minuten ununterbrochen am Telefonieren sei und das es langsam Zeit wäre Schluss zu machen es sei sehr unangenehm und mühsam. Sie habe keine Lust ihr noch länger zuhören zu müssen. Ab da an hatte ich meine Ruhe und Frieden in diesem Zug J Musste ich grinsen. Der Chinese neben mir bedankte sich sogar noch bei der ItalienerinJ.

In Firenze musste ich dann umsteigen und fand das korrekte Binario im zweiten Anlauf. Mich dünkt es, dass die Leute hier ihrer Mentalität nämlich, offen, freundlich, hilfsbereit etc. wieder mehr entsprechen. Auch fühle ich mich schon hier wieder viel wohler. Mein Regionalzug bei welchem ich mitfuhr ab Firenze, hatte meinen Zugswaagen heute nicht dran. Ich wäre im Wagen 7 platziert gewesen, aber der Zug zählte nur 6 Wagen. Ich stieg dann einfach ein und suchte mir einen passenden Platz.

In Viareggio musste ich dann nochmals umsteigen um auf einen Inter-City Zug zukommen auch der war im zweiten Anlauf gefunden. Dieser Inter-City Zug ist seither mein absoluter Favorit in jeglicher Hinsicht! Da kann sich die Schweiz davon was abschneiden. Jedes Abteil war geschlossen(so was kennt man ja nur in der ersten Klasse der schweizer Züge), der Mann welcher mit seinem fahrbaren Esswagen auf dem Gang unterwegs war, hatte ein Glöckchen am Waagen um auf sich aufmerksam zu machen, dass er Esswaren zu verkaufen hat. I.Ö. Die Sitze waren sehr breit, so dass ich 2 Mal drin Platz gefunden hätte. Sie waren zu dem soooo schön eingesessen und so weich, dass man wie auf Grossmutters Sofa hätte einschlafen können. Der Zug war ruhig, obwohl dass er nicht mehr der Neuste war. Ein wahrliches Goldstück dieser Zug. Der Chef war anders als in Napoli sehr, sehr freundlich. Da ich mein Ticket irgendwo in meiner Tasche versteckt hatte und nur fürs erste den InterRail Pass vorzeigen konnte und suchend da sass, fragte der Kontrolleur auf ENGLISCH; wo ich denn hinfahre, „Santa Margharita“, war meine Antwort. „Das ist nach Rapollo, die nächste Station. In ungefähr 40 Minuten werden wir dort eintreffen.“ Er wollte mein (noch) nicht gefundenes Ticket gar nicht sehen, sondern sagte mir dann auf italienisch, es sei schon gut und er wünsche mir einen wunderschönen Tag und schöne Ferien. Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte ihn eine Runde geknuddelt! Der war ja sooo lieb. Ein Italiener vom Bilderbuch, aber ohne Pizzabauch!

Auf dem Weg, setzte sich eine ältere Dame zu mir, welche das Telefonieren mehr als wichtig empfand. Im Allgemeinen habe ich bemerkt, dass die Italiener sehr viel Telefonieren. Dies finde ich auf die eine Seite schwerst sypmpatisch, keine doofen Knöpflidrückereien bis man einen Satz geschrieben hat auf die andere Seite hatte ich das Gefühl, dass sie ihr Sozialleben am Telfon ausleben. Ich war wieder mal am Blog schreiben und hörte Musik. Ich nahm sie dann raus und suchte etwas, so kamen wir ins Gespräch die älter Dame und ich!,-auf Italienisch!

Ich konnte in meinem Leben noch keinen Satz auf Italienisch zu stande bringen, aber ich konnte mir, ohne dass es mir jemand glauben mag, mich mit ihr unterhalten. Woher ich komme, wohin ich gehe, wo ich zuvor war, das waren in etwa so die Fragen von ihr. Als ich ihr sagte, ich komme aus der Region „Luzern“ fing sie an vom Vierwaldstädtersee zu schwärmen! Jaja der ist ja schon super, aber hallo? Das sagte mir eine Frau die das wunderschöne Meer vor der Haustüre hat. Ich habe mich daher sofort mit Händen und Füssen dagegen gewehrt und gab mir Mühe ihr mitzuteilen, dass das Meer vor dem Vierwaldstädtersee stehe und es viel schöner sei. Das Verstand sie und gab mir recht. Sie musste lachen und meinte che brava, brava.

Sie erzählte mir wo sie aufgewachsen ist und welcher Ort sie als Schönsten hier in Cinque Terre empfindet. Wir mussten ein paar Mal lachen. Eine typische italienische Nonna. Irgendwann stieg sie aus und verabschiedete sich: „Buan viaggio, ciao bellissima.“

In Rapollo lief der Kondukteur nochmals vorbei und erinnerte mich, dass der nächste Halt Santa Margherita ist. Wie nett. Als ich ausstieg, sah ich ihn nochmals und rief ihm zu; Ciao e grazie mille und winkte. Er freute sich und winkte mir auch. Das war ein schöner Start. Das Wetter spielte übrigens auch mit. Ich fragte den Buschauffeur auf italienisch!,in welche Richtung mein Hotel liegt und so machte ich mich auf und startete die angekündigten 10 Minuten Fussmarsch. Nach 2 Sekunden war ich sofort verliebt. Eine wunder,wunderschöne kleine Stadt. An der Hauptstrasse welche geradewegs am Meer liegt angekommen, hatte ich einen wahnsinnigen Kulturschock! Wo blieb das Gehupe??? Wo blieben die Porcos und wo blieben die ciao bella-Sprüche? Nichts da. Es war sehr ruhig. Evtl. gab es mal ein kurzer Hupton, aber nur dann wenn jemand wirklich im Wege stand. Die Rollerfahrer fahren schon noch etwas wilder als ich es in der Schweiz gewohnt bin, aber irgendwie lag das nach Napoli noch 1000 Mal im Bilde. Die Leute hier sind im allgemeinen sehr, sehr friedlich und ohne dass ich jemanden ansprach, halfen mir 2 Italiener ungewollt weiter bei meiner Suche. Jedes Mal war ich auf dem Richtigen Weg, so fand ich mein Hotel Europe in einem Satz. Auch dort: Liebe,liebe Leute! Sie sprachen sogar Englisch. Ich begutachtete mein Zimmer, stellte mein Koffer ab und ging wieder. Das Zimmer ist klein aber herzig. Bei der Rezeption wieder angekommen, hatten sie schon einen Stadtplan bereit und so konnten sie mir im nu meine 1000 Fragen beantworten. Auf gings.

Ich kam an einem Fischmarkt vorbei, wobei es nach dem roch. So was habe ich bis her nur im Fernsehen gesehen. In echt ist das suuper cool. Da kann ich lang meine Nase reinhalten, Fische sind schon herzig und fein. Ich steckte kurz meine Nase in den Markt rein. Bei einigen Fischen und Krabben hatte ich das Gefühl, dass sie ihre letzten Zuckungen noch nicht vollendet hatten. Das tat mir dann aber im Herzen etwas weh, so dass ich sofort das Weite suchte. Etwa 10 Minuten hatte ich danach das Gefühl ich stinke nach Fisch. Iii. Der Wind welcher hier sehr bissig ist, windete aber den Gestank hinweg. Ich suchte einen Supermarkt bei welchem mir der Standort im Hotel erklärt wurde und fand in dann auch. Der Laden war mehr teurer als in den schweizer Läden! Ich durchforstete die Altstadt, genoss es ohne Lärm und mühsamen Männer. Hier glotzen sie auch, aber unauffälliger. In der Stadt entdeckte ich dann nochmals ein Supermercato. „De coop“ hiess er und war etwas billiger als der vorhin. Auch dort ging ich kurz rein und nahm jede Menge ungesunde Sachen mit. Schlussendlich machte ich noch einen Spaziergang bevor ich mich bei Einbruch der Dunkelheit nach Hause begab. In diesem kleinen Städchen fühle ich mich wahnsinnig sicher. In Napoli trug ich meine Tasche immer vorne und trug den Fotoapparat oder das Portemonnaie nie in der Hand. Hier ist das kein Problem. Es gibt nicht so viele Leute und die die es gibt, sind sehr gemütlich und suchen die Ruhe. Die Atmosphäre hier ist höchstangenehm. Hier fühle ich mich sehr wohl. Das ist mein erster Eindruck.

Zuhause angekommen, duschte ich, schaute ich wieder italienisch Fernseh und schrieb hier weiter. Irgendwann stellte ich fest, dass meine Augen einfach zu vielen, also war es Zeit fürs Bett. An das Leben; einmal hier und morgen dort könnte ich mich gewöhnen, von dem vielen Unterwegssein wird sogar ich müde und kann schlafen. J

3 Kommentare:

  1. Santa Margherita
    Ich schwelge in Erinnerungen an Santa Margherita. 1964 hatte ich eine ganz liebe Freundin und eine Vespa. Mit beiden fuhr ich mit einem Zelt auf dem Gepäckträger nach bella Italia. Wir waren zwei oder drei Tage auf einem Campingplatz in Santa Margherita. Molto romantico, molto amore bella musica. Zurück in der Schweiz ist sie dann bald einmal mit einem anderen durchgebrannt. Finito Amore, fa niente, aber die Erinnerung an Santa Margherita bleibt.

    AntwortenLöschen
  2. Zum Flohmarkt in Napoli ist mir noch eine kleine Geschichte eingefallen. Meine Schwester und ihr Mann waren mal in Napoli, wo ihre Fotokamera gestohlen wurde. Am nächsten Tag fanden sie ihren Fotoapparat auf Napolis Flohmarkt. Meine Schwester wollte die Kamera zurück haben, soll ich weiter erzählen?

    AntwortenLöschen
  3. Meinem Liebesabenteuer in Santa Margherita möchte ich noch hinzufügen, dass, nachdem mir die Freundin den Laufpass gegeben hatte, meine Vespa mir bis zu ihrem Tod treu blieb. Ich ihr übrigens auch.
    Ein neuer Roller hätte meine finanziellen Mittel ohnehin bei weitem überschritten.

    AntwortenLöschen