Ende Juli 2011
Donnerstag den 28.7 2011 sollte mein letzter Arbeitstag vor meinen wohlverdienten 2 Wochen Ferien sein. Nun war dies aber schon Gestern der Fall, dies wusste ich aber erst heute Morgen um 7 Uhr. Heute bangte ich ein weiteres Mal um Liverpool. Es ist wie ein Fluch. Zuerst meine Geldkarte, welche ich nicht besass bis vor kurzem, dann mein verlorenes Portemonnaie welches ich verlor und wieder fand und nun!? Naa ratet mal; ich zähle mal auf was es alles nicht ist:
-Breivik bin ich nicht begegnet
-Die Mafia hat mich nicht entführt
-Die Drogen waren es auch nicht, die Amy hat alles weggeschnupft
-Keine Vogel,-Schweine oder J.P. Love-Grippe
-Ich sitze nicht im Gefängnis und auch nicht in der Klapse
-Ich bin keiner Sekte beigetreten und habe auch keine Katze gefressen und deren Blut getrunken
Jaa nun sollte jedem klar sein was ich habe! Erklärung: Gestern Abend führte ich mein Ego-Training bei mir in der Wohnung durch. Nach einem Luftsprung mit Kick, sackte ich in mir zusammen. In meiner 180 Grad Drehung stosste ich mit voller Wucht meinen linken Fuss an den rechten Fussgelenkinnenknöchel an. In diesem Moment war mir das gar nicht bewusst. Ich führte mein Vorgehen wie gewohnt zu Ende, so dass ich meinen Sprungkick machte und danach wie üblich auf beiden Beinen landete,- genau 0,4 Sekunden, danach brach mein linkes Fussgelenk nach innen ab und ich lag am Boden. Mein erster Gedanke; leb Fuss, leb!!! DU musst mich mit deinem Fussnachbarn nach Liverpool tragen! Los funktionier wieder! Ich bog meinen Fuss in alle Richtungen nur nach aussen konnte ich ihn nicht drehen, keine Chance. Auch der Innenknöchel vom Fussgelenk war kaum antastbar. Ich hatte Schmerzen.
Wisst ihr noch als ich mir zwischen Daumen und Zeigefinger im Dezember schnitt und ich danach einen Gips eine Woche trug?? Ich erzähle nochmals kurz was ich damals gemacht habe: Ich gab mir alle Mühe , einen Druckverband anzulegen, aber das blutete wie verrückt. Irgendwann war es dann aber doch noch machtbar. Dann stellte ich mich wieder in die Küche und kochte meinen Blumenkohl zu Ende. Wäre sehr schade gewesen wenn nicht, denn sonst wäre er kaputt gegangen. Was machte Elsbeth Gestern nach dem Unfall??? Genau!, ich stelle mich in die Küche und kochte Ebly mit Zwiebeln und Fleisch und stand dazu auf einem Bein.
Ich rief Gestern um halb 10 Uhr Abends noch meine Chefin an. Sie nahm es gut hin und bedankte sich für meine frühzeitige Meldung. Ich versicherte ihr, dass ich sie Morgen früh nochmals anrufen würde um zu sagen ob ich zur Arbeit kommen kann.
Meine Güte war diese Nacht ein Horror!, noch schlimmer als sonst. Bei jeder Drehung spürte ich mein Gelenk, die Decke war viel zu schwer und bei jedem Traum bei welchem ich rennen musste oder erschrak zuckte ich zusammen, so dass mein rechtes Fussgelenk selbstverständlich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Schimmste von all dem war die schwere Decke. Im Normalfall rolle ich mich regelrecht in meine Decke ein, so dass ich schlussendlich verdreht und verkehrt unter der Decke liege. Aber es ist wunderbar bei offenem Fenster. Das war aber mit meinem super Knöchel absolut unmöglich. In der Nacht hörte ich fast jede neue Stunde einläuten und um 4 Uhr morgens, gab ich mir Mühe eine Runde zu fluchen... aber für das war ich zu müde! ...es hat sich alles gegen mich verschworen.
Um kurz vor 7 Uhr Morgens nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und nahm mir fest vor normal auf meinen zwei bestimmt nicht invaliden Füssen zulaufen. Ja ist ja schon gut, natürlich flog ich auf die Schnauze, wenigstens habe ich es probiert. Eigentlich bekomme ich keine Übelkeit bei Blut oder sonstigen schönen Wunden oder Ausscheidungen. Aber als ich auf den Fuss stand und umkippte war mir für einen Moment richtig übel. Ein ziemlich ekliges Gefühl wenn man am Morgen früh erfahren muss, dass eine Sehne oder Band über den Knochen hin und her switcht beim draufstehen und das dann noch wortwörtlich hautnah mitspüren darf. Wööö das war grausig und schauderhaft! Daraus war zu resultieren, dass ich meine Chefin anrief und ihr mitteilen musste, dass aus der Arbeit nichts wird. Ich kann nicht laufen, stattdessen werde ich meinen Doktor besuchen.
Mein Vorgehen nach diesem Telefonat:
Viertelvor 8 Uhr rief ich meine Arbeitskollegin an und entschuldigte mich
Um 8 Uhr rief ich meine Familie an, weil ich wusste, dass sie Gehstöcke hätten. Mein Vater war so nett und machte mit mir aus, dass er wenn ich meinen Arzttermin hätte er zu mir mit dem Zug fährt und mir die Stöcke bringt.
Um 8:15h rief ich meinen Arzt an..besetzt...Leitung offen. Mein Doktor hatte Pikettdienst, so dass ich einfach zu ihm gehen konnte. Dann rief ich meinen Vater wieder an um ihm mitzuteilen, dass ich wenn er mir die Stöcke bringt, mit ihm zurückfahren würde und zu meinem Doktor gehe.
Um halb 9 Uhr rief ich einem Taxiunternehmen an um ein Taxi an den Bahnhof zu bestellen. -Von mir Zuhause habe ich wenn ich sehr langsam gehe 5 Minuten. Ich konnte aber nicht gehen, es schmerzte wahnsinnig.
Nach diesem Telefonat ging ich duschen und musste mich beeilen, denn das Taxi kam um viertelnach 9 Uhr und ich wollte noch duschen(kann ja kaum Stinkekäse meinem Herr Doktor vor die Linse legen). Meine Güte musste ich umdenken! Wie steigt man in eine Badewanne um zu duschen, wenn der eine Fuss futsch ist?? Man stützt sich mit den Händen ab, steigt mit dem gesunden Bein in die Badewanne und zieht dann das totkranke nach. Wunderbar. Nach dem Duschen wieder die selbe Methode um aus der Badewanne zu steigen. Beim Abtrocknen musste ich wahnsinnig aufpassen, denn die Prellung am Fussgelenk schmerzte. So beugte ich mich noch mehr über als noch natürlich um mich an den Beinen gut abzutrocknen ohne mir Schmerzen zu zufügen. Natürich liess sich dies auf keinen Fall vermeiden. 2 Mal nach einander Schlug ich meinen Kopf am Lavabo an, weil ich wieder gerade hinstehen wollte. Nein nicht 1 Mal, wenn dann muss es schon 2 Mal sein, sonst wäre es ja kaum erwähnenswert.
Um viertenach 9 Uhr stand pünktlich mein Taxi vor der Tür und beim Hausausgang legte ich mich geradewegs nochmals fast auf die Nase. Der Taxichauffeur war schockiert und fragte ob es geht und dass das gerade nochmals gut ging. Meine Antwort; „wie sie sehen wäre dies nicht das erste Mal gewesen, wenn es mich umgehauen hätte. Kurz vor dem Bahnhof wollte er wissen ob ich die Treppe oder den Lift benützen möchte. Ich meinte; die Treppe. Er schaute mich etwas fragwürdig an. Ich sagte; „wissen sie schlimmer wäre nur noch wenn das andere Bein genau so invalid wär...aber über so viel Glück verfüge ich schlussendlich dann doch nicht. Er sagte, dass ich einen bösen schwarzen Humor besässe. Ich bezahlte ohne Witz von meinem Zuhause zum Bahnhof 10 Schweizer Franken. Das ist räuberisch und diebisch. Wenigstens konnte ich den Taxichauffeur schockieren. Das war unterhaltsam.
Als der Zug einfuhr und mein Papa ausstieg war ich mehr als froh. Mit den Stöcken geht es besser und sicherer zum laufen. Wir wechselten das Gleis und ich fuhr mit meinem Vater 2 Stationen zurück und ging im Schneckentempo, mit 2 wunderschönen grau-ROTEN Stöcken und einem verkrüpelten Fuss zum Arzt. Er war da und schaute sich mein Fuss sofort an. Weil er sicher gehen wollte, rief er seinen Arztkollegen,- welcher am anderen Ende der Stadt liegt und ein Röntgenapparat besitzt um doch noch kurz zu schauen ob etwas gebrochen ist,- an. Ich konnte sofort zu diesem FAHREN. Mein Arzt fuhr mich mit seinem Auto zu diesem Arzt rüber. Das war sehr, sehr freundlich und mein persönliches Highlight an diesem Tag. J
Dieser Arzt war ein Facharzt der Chirurgie. Ich traute mich kaum ihm meinen Fuss zu zeigen, weil man Chirurgen im mediziner Alltag auch Metzger nennt,- wenn ihr versteht was ich meine. Schnipp, schnapp „Füessli ab!“. Das Röntgen wurde gemacht und der Arzt gab mir Schmerzmittel und Salbe. Auf den Röntgenbilder war nichts zu sehen. Ein ganz normaler elsbethianischer Fuss. Sehr langweilig.
Elsbeths-Fuss-Diagnose:
Extreme Prellung und Quetschung
Hoffnung:
Bis am Dienstag muss der Fuss wieder „gehbar“ sein. Auch darf ich die Sehne oder das Band welches sich über den Fussgelenkinnenknöchel zieht nicht mehr spürbar sein und es darf sich nicht mehr hin und her bewegen. Falls das Problem dann immer noch besteht, müsste man ein MRI in Betracht ziehen. Tolle Vorraussetzungen.
Nach Liverpool darf ich übrigens, ich habe die wehrten Doktoren gefragt. Ist mir egal mit oder ohne Stöcke!!!! Ich will es endlich sehen!! Wenn das Flugzeug dann abstürzen sollte, müsst ihr nicht um Elsbeth trauern, sieh hats dann einfach verbockt und all die Zeichen vom lieben Herr Gott nicht wahrgenommen, sich dem wieder setzt und schussendlich festgestellt, dass ihr Kopf doch nicht so hart ist wie sie dachte und der Aufprall auf dem Boden mit dem Flugzeug nicht standhalten konnte. Schreibt doch bitte auf meinen Grabstein: „Blame Yourself“.
Seither habe ich also Stöcke und meine Hände tragen langsam aber sicher Schaden davon. Durch das ewige Abstützen wird man ganz Wund. Das alles passierte Vorgestern und Gester am Mittwochabend den 27. und am Donnerstag den 28. Juli 2011.
Nach dem Arztbesuch am Morgen ging ich nach Hause und ging eine Runde schlafen. Dann machte ich mich bereit und ging nach Basel mit Rucksack, wunderschönen Stöcken und Musik in den Ohren. Sah sicher suupa aus. Ich ging den Unfallschein bei meinem Arbeitsort abholen, denn wenn sie den schicken, geht dies immer 24 Monate und 1.5 Tage bis ich Post von ihnen bekomme. Dann ging ich noch kurz auf meine Tagesklinik sagte kurz allen hallo und machte mich dann auf den Weg zu meiner Nägelmacherin in Basel. Nach 1.5 Stunden sass ich mit goldigen Nägel und schwarzen Strichen darauf da und hatte eine helle Freude daran. Das hat bestimmt noch niemand gehabt! Perfekt. Da ich Ferien habe kann ich mit meinen Nägel machen was ich will. Das ist schon so krass, dass es nicht einmal mehr tussimässig aussieht. Dann ging ich essen holen und machte mich dann auf den Weg zu Juanes. Wir verabredeten uns bei ihm und er holte mich beim Bahnhof ab.
Nun sitze ich hier im Starbuckscafé am Freitagmorgen den 29. 7 2011 am Bahnhof in Basel und schreibe. Ich habe Ferien aber fühle mich noch gar nicht so.. .
Schlussendlich denke ich, dass ich ja nicht jammern darf. Gesund bin ich ja trotzdem noch, die Stöcke kommen auch bald wieder weg und auch von den Schmerzen her geht’s schon viel besser und ich kann wieder etwas mehr biegen. Als ich vom zweiten Arztbesuch Gestern Richtung Bahnhof lief kam mir ein Mann im Rollstuhl ohne Beine entgegen und ich dachte einfach bei mir; Elsbeth nimm dir alle Zeit der Welt! Du kannst dich glücklich schätzen.
Einem Tausendfüssler blieben nach einem solchen Missgeschick noch 999 übrig. Gute Besserung Elsbeth, und lass mir Liverpool grüssen.
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